Ich habe die Fujifilm X10 auf Herz und Nieren getestet und entschieden, dass ich sie behalten möchte, nachdem ich ja im letzten Artikel über die Fujifilm X10 noch offen gelassen hatte, ob ich sie überhaupt behalten möchte. Meine Kritikpunkte bestehen weiterhin, aber ich glaube leider nicht daran, dass in allzu naher Zukunft eine Kamera auf den Markt kommt, die mich vollends überzeugt. Die Olympus Stylus 1 hatte ich noch in den Blick genommen, aber die liegt einfach nicht gut in der Hand und der Sensor ist auch nicht das, was ich von einer so teuren Kamera erwarte.

Klickt auf die Fotos, um sie zu vergrößern. Alle Fotos in diesem Artikel sind JPGs direkt aus der Kamera, ohne Bearbeitung.

Ich bin also rausgegangen mit der X10 und habe einfach drauflos fotografiert. Die ersten Tests in der Wohnung haben mich noch etwas ratlos zurückgelassen. Zu wechselhaft waren die Ergebnisse. Aber ich habe mich noch an die ersten Schritte mit der X100 erinnert und dort war es dasselbe.

Die Fujifilm X10 hat einen EXR-Sensor. Was das genau ist, habe ich auch nicht verstanden und es interessiert mich auch wenig. Alles was man wissen musst, ist, dass durch diesen Sensor eine höhere Dynamik bei der JPG-Aufnahme möglich ist, als bei anderen Sensoren. Jpeg? Aber die Fuji kann doch auch RAW-Fotos aufnehmen und mit meiner Nikon käme ich doch nicht auf die Idee mir die Bilder durch die JPGs ruinieren zu lassen, fragt man sich zunächst. Bis man ein wenig rumspielt und die Ergebnisse immer besser werden, je optimaler die Einstellung wird. Ich habe mich jedenfalls darauf eingelassen, und es nicht bereut.

Zunächst muss man sich von RAW ein wenig entfernen. Ich stelle dafür im Setup-Menü Raw+JPG ein. So habe ich das RAW noch, wenn mir die Umsetzung der Kamera gar nicht gefällt. Ist aber noch nicht passiert bis jetzt. Im Aufnahmemenü stelle ich Auto-ISo auf 3200 ein, die Bildgröße auf M (das ist wichtig, aber dazu gleich mehr), Die Qualität auf F, den Dynamikbereich auf 400 und die die Filmsimulation auf Velvia.

Jetzt will der nicht nur JPGs aus der Kamera, sondern stellt auch noch die Bildqualität runter? Ist der verrückt, könntet ihr euch fragen, aber probiert es aus, es wird fast immer genau so gute Ergebnisse liefern und häufig sogar bessere. Das liegt an dem schon erwähnten EXR-Sensor der Fujifilm X10. Dieser kann nur bei der Bildgröße M hardwareseitig den Dynamikbereich auf 400 erweitern. Bei Bildgröße L wird das softwareseitig gemacht, also genau so wie bei allen anderen Kameras auch. Und damit das softwareseitig funktioniert, wird die minimale ISO auf 400 festgelegt. Der Sensor kann aber bei Bildgröße M den Dynamikbereich auf 400 erweitern auch wenn die ISO auf 100 eingestellt ist. Und warum das ein Vorteil ist, solltet ihr ausprobieren, sonst wird das hier ein Kauderwelsch sondergleichen.

Mit dieser Einstellung muss man natürlich in den Modi P, A, S oder M fotografieren, denn die anderen Modi überschreiben unsere Einstellungen dann wieder. Jetzt muss man nur noch wissen, dass das Objektiv der X10 die beste Leistung bei Blende 4 erreicht und dann kann es schon los gehen.

Die Sonne scheint, einer der ersten wirklich schönen Tage in Düsseldorf seit gefühlten Wochen und ich begebe mich auf einen Sonntagsspaziergang an den Rhein. Die Kamera liegt gut in der Hand, ich habe eine Handschalufe angebracht,w eil ich Halsgurte einfach nicht mag und muss mich zunächst an das Einschalten durch Objektivdrehung gewöhnen. Ich finde das ziemlich cool, aber gewohnt ist man ja nun irgendwas anderes.

Ich knipse einfach drauf los und freue mich bei jedem Foto, was ich nicht mit Brennweite 28mm schieße, dass ich am Objektiv zoomen kann und nicht irgendwelche Knöpfe drücken muss. So muss Fotografieren für mich sein. Die Kamera ist nicht wirklich leicht, aber auch das finde ich gut. ich will ein bisschen was in der Hand halten. Auch froh bin ich über den Sucher, denn die Sonne lässt mich bisweilen auf dem Display nicht mehr wirklich etwas erkennen. Den Sucher habe ich zunächst gescholten und gut ist er immer noch nicht, aber eine gute Ergänzung zum ansonsten tollen Display.

Ich habe immer noch Angst, dass jedes Foto völlig schräg wird, weil im Sucher kein Horizont oder wenigstens ein Fadenkreuz eingelassen ist, aber das wird mir Photoshop schon richten. Ich habe mir auf den FN-Knopf noch die Filmsimulation gelegt, sodass ich ständig zwischen Schwarz-Weiß und Velvia hin und her wechsele. Auch das Schnellmenü auf der RAW-Taste überzeugt vollends. Die Kamera macht Spaß. Nur einige Knöpfe sind nicht ganz ideal platziert. Da komme ich ständig dran und verstelle irgendwas. Das nervt. So merke ich nach einigen Aufnahmen,d ass ich jedes Mal eine Belichtungsreihe erstellt habe. Wollte ich nicht. Werde ich mich her wohl noch dran gewöhnen. Ich kann die X10 eben nicht wie meine Spiegelreflex anpacken.

Die ersten Fotos gelingen und ich beginne mich in die Kamera zu verlieben. Mein Fazit lautet also deutlich positiver als zuvor. Ich hätte die Kamera eben mal unter tollen Fotobedingungen testen müssen und nicht nur im schummrigen Licht meiner Wohnung. Denn natürlich kann sie nicht mit meiner Nikon und entsprechend lichtstarken Objektiven mithalten, was das rauschverhalten angeht. Aber das muss die kleine ja auch gar nicht. Sie soll zwar auch unter schlechteren Lichtverhältnissen noch vernünftige Ergebnisse liefern, aber sie muss nicht meine Spiegelreflex ersetzen. Und dass sie auch mit schwierigen Situationen klar kommt, auch wenn man das Rauschen schon sieht, beweist das Foto oben vom Sonnenaufgang am Dienstag, was ich auf der Arbeit gemacht habe und was mittlerweile schon 570 Mal geliked und 33 Mal geteilt wurde. Yes.