Leica Mini II

Die Leica Mini II ist eine wirklich tolle automatische und kompakte Analogkamera, die ich als perfekte Ergänzung zu meiner digitalen Immer-dabei-Kamera Fujifilm X10 nicht mehr missen möchte. Ich habe sie mir vor ein paar Monaten sehr günstig über die Ebay Kleinanzeigen besorgt. Bei Ebay zahlt man im Schnitt immer noch hundert Euro für das gute Stück. Ich war seitdem ein paar mal mit ihr fotografieren. Jetzt endlich will ich euch meinen Eindruck von ihr schildern und natürlich auch ein paar Fotos zeigen. Klickt auf die Fotos, um sie größer anzuzeigen und schaut euch auch nochmal mein erstes schon hier veröffentlichtes Foto, was ich mit der Leica Mini II gemacht habe an: Skyline Düsseldorf.

Eine echte Leica halte ich also in meinen Händen. Oder so. Pustekuchen. Die Leica Mini II ist gar keine richtige Leica. Sie wurde von 1993 bis 1996 gebaut. Und zwar von Minolta. Nur das Objektiv kommt wirklich von Leica. Sie wurde damals auch die Volksleica genannt, war sie doch im Gegensatz zu ihren großen Brüdern noch erschwinglich. Mir war das vor dem Kauf bekannt und eigentlich auch völlig egal. Ich wollte spielen und nach der Canon Canonet 28, die mir jetzt schon drei Filme gefressen hatte, wollte ich mal wieder mit einer analogen Kompaktkamera durch die Lande ziehen. Die Dinger sind leicht, ich kann sie immer mitnehmen und im Gegensatz zur meinen Mittelformatkameras ist es auch gar kein Problem die Fotos beim Entwickeln mit digitalisieren zu lassen.

Skyline Duesseldorf

kodak-tri-x-400

duesseldorf-promenade

Als erstes habe ich natürlich einen Schwarz-Weiß-Film bei Calumet besorgt und in die Leica Mini II eingelegt. Einen Kodak Tri-X 400, meinen absoluten Lieblingsfilm, weil er so schön körnt und krasse Kontraste zaubert. Dann bin ich einfach den Rhein in Düsseldorf entlang marschiert und habe alles mögliche mit der Leica ausprobiert. Film bei DM abgegeben, eine Woche gewartet und völlig begeistert die ersten Bilder angeschaut. Wirklich, ich habe mich gar nicht mehr einbekommen vor Freude. Natürlich ist nicht jedes Bild was geworden, aber der Charme dieses Films gepaart mit der Qualität der Kamera hat mich vom Hocker gerissen. Ich habe lange nicht mehr so einfach, leicht und komfortabel fotografiert und dabei so tolle Ergebnisse produziert.

bilk-s-bahn

kodak-gold-200

fuji-superia-x-tra-400

Natürlich habe ich danach auch Farbfilm (Kodak Gold 200 und Fuji Superia X-TRA 400) ausprobiert, aber ich mag Farbfilme einfach nicht besonders. Und zudem habe ich ihn wohl auch etwas zu sehr in die Mangel genommen. Wenig Licht, viel Kunstlicht. Aber die Leica hat mit Blitz und ISO 400 sogar in einer dunklen Kneipe auf einem Geburtstag Erinnerungswürdige Fotos hinbekommen. Jedenfalls hat mich Farbe nicht so überzeugt. Komische Farben, unschönes, weil unkörniges Rauschen. Farbfilm eben. Aber trotz der durchaus schwierigen Verhältnisse haben mich selbst diese Fotos beeindruckt. Ganz ehrlich, viele dieser Fotos wären mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera mit hochwertigerem Objektiv schlechter geworden. und wenn schon nicht technisch, dann zumindest vom Gefühl her.

Ich kann die Leica Mini II also wirklich nur empfehlen. Klar werde ich keinen schärfeliebenden Digitalfetischisten damit auch nur hinter dem Ecken des Ofens hervorlocken können, aber wer Lust auf Experimente hat, dem Charme des analogen Fotografierens ab und an nicht widerstehen kann, der sollte zuschlagen, wenn sie mal irgendwo günstig zu haben ist. Ich habe 25 Euro für die Leica Mini II bezahlt.

Leica mini II technische Daten

Zum Schluss noch die technischen Daten, auch wenn die irgendwie egal sind, weil du die Leica Mini II einfach anmachst, den Blitz eventuell ausschaltest und dann einfach fotografierst: Das Objektiv ist ein Elmar 35mm F/3,5. Perfekt für Street-Fotografie also. Entfernungseinstellung ab 0,65m, das könnte besser sein, aber wer will schon Details mit so einer Kamera fotografieren, da ist Digital dann doch unschlagbar. Aktiver Infrarot-Autofocus, der für eine analoge Kamera ausreichend präzise ist. Man würde ihn an einer digitalen also als völlig misslungen beschreiben. Programmautomatik hat die Kleine auch, Unendlicheinstellung mit Blitzabschaltung; Blitzautomatik, Messwertspeicherung durch Druckpunktnahme. Filme kann man von 50 – 1000 ISO reintun. Suchermarkierungen für Messfeld und Nahbereich im Sucher, das hört sich super an, aber eine Horizontlinie wäre trotzdem schon recht gut gewesen. Verschlusszeiten von 1/5 – 1/250s, B-Einstellung bis 5s, Selbstauslöser (10s). Maße: B:118mm H:65mm T:38,5mm. Gewicht: 160g. Wer noch mehr wissen und sehen möchte, kann sie dieses Video zur Leica Mini II anschauen.

4 Kommentar(e)

  1. MdM

    Da bin ick schon wieder:

    ich glaube, nur Männer haben das Gen, Maschinen als solche schön zu finden. Bei einem Photo, das einen Photoapparat ablichtet (Leica) blüht das Herz des Mannes.

    In diesem Zusammenhang seien auch Apparate der Musikproduktion erwähnt: Beim Anblick einer Fender Stratocaster kommt bei mir der Hormonhaushalt dermaßen in Schwung ( http://de.wikipedia.org/wiki/Fender_Stratocaster )…

    …und wenn die jemand auch gut spielen kann http://www.youtube.com/watch?v=9irsg1vBmq0 ist kein Halten mehr…

  2. Raphael Raue

    Ich kann deinen Assoziationen zwar nur bedingt folgen, glaube kein bisschen, dass das “männliche” Gen sowas hervorbringt, aber ich finde sie lustig; so wie du meine Leica ;)

  3. MdM

    Um Mißverständnisse zu vermeiden: ich wollte mich keineswegs über “Deine” Leica lustig machen. Und eine genetische Auseinandersetzung der Geschlechter würde eh in Albernheiten münden, die Loriot bestens analysiert hat.
    Eher wollte ich den Technik-Fetischismus des Mannes, dessen ich nicht frei bin, ironisch thematisieren; – wobei der Kern der Sache mir ganz Ernst ist: Allein bei den Worten Leica, Hasselblad, Fender Stratocaster oder Fender-Rhodes-Piano komme ich in quasi-erotische Wallung.

    So weit hergeholt scheint mir meine Assoziation also nicht: denn ich kenne wenig Frauen, die eine quasi-erotische Beziehung zu technischen Geräten generieren: elektrischen Eisenbahnen, Modellflugzeugen, Drehorgeln, “intelligenten” Kühlschränken, Staudämmen, Windrädern etc.

    Und das ist auch gut so!

    Ich meinerseits ertappe mich immer wieder, wie ich mich für technische Apparate über die Maßen interessiere, und darüber vergesse, daß die Apparate eigentlich nur etwas machen sollen: Cameras: Bilder; Filmcameras: bewegte Bilder; Automobil: Transport

    Aber es gibt Ausnahmen, wo die Maschine/der Apparat so genial ist, daß der Apparat so sehr zusammenhängt mit dem Ergebnis: Leica und Fender Stratocaster.
    Meine Überlegung zu meinem Kurzkommentar, der ja mit Musik zu tun hat und nicht unmittelbar mit Photographie, war der, daß es jeweils um Wahrnehmung von Welt geht mit Sinnen: Bilder hier, Musik dort. Aber sowohl Musik als auch Photographie sind Sinneswahrnehmungen, die man zwar trennen kann, aber nicht trennen muß. Es soll sogar Leute geben, die Töne “sehen” können und Leute, die Bilder “schmecken” können.

    Um meinem Ernst nochmal Ausdruck zu verleihen: Es war ein kultur-historischer Zufall, daß Jimi Hendrix auf das Produkt eines ambitionierten Musikinstrumenten-Tüftlers stieß: Leo Fender.

    Die Produkte von Fender haben eine ähnliche “Biographie” durchlaufen wie die der Leica: das wurde dann von einem Konzern aufgekauft und irgendwo billig nachgebastelt. In den Anfangsjahren von Fender war die Fender Stratodaster Handarbeit und eine revolutionäre Innovation der elektrischen Gitarren. . Und sowohl Fender als auch Leica besinnen sich wohl nun wieder auf ihre Ursprünge (ich bin da nicht ganz auf dem allerneuesten Stand).

    Eine kleine Anmerkung zu Jimi Hendrix: er spielte die Stratocaster – im Ur-Sinn des Wortes – mit links: er war Linkshänder und hat die Saiten einfach umgekehrt aufgezogen.
    Für mich ist Jimi Hendrix einer, der verstanden hat, daß eine Gitarre nur eine Maschine ist, mit der man Töne erzeugen kann. Und er hat alles mit dieser Maschine gemacht, um zum richtigen Ergebnis zu kommen.
    Bei Jimi Hendrix bekommt das Wort “Instrument” seine Ur-Bedeutung zurück: Instrumentum: Werkzeug.

    To make a long story short:
    ick finde Leicas und Fenders GEIL, auch wenn es nur Maschinen sind.

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