Pentax 645z

Diese Woche wurde eine interessante neue Kamera vorgestellt: die Pentax 645Z. Das Nachfolgemodell der Pentax 645D ist mit einem Preis von rund 8000 Euro damit die erste digitale Mittelformatkamera, die unter 10.000 Euro zu haben ist. Natürlich sind 8000 Euro, bzw. 9000 Euro mit dem Standard-Objektiv 55mm F/2.8, immer noch sehr viel Geld und für uns Hobbyfotografen sogar unsinnig viel Geld, aber es zeigt eine Entwicklung, die mir richtig gut gefällt. Gemeinhin kosten digitale Mittelformatkameras mindestens 20.000 Euro. Nach oben offen.

Pentax setzt einen CMOS-Sensor im Mittelformat ein. Diese Sensoren sind deutlich günstiger als CCD-Sensoren, aber mittlerweile fast ebenso leistungsstark. Nahezu alle Vollformatkameras von Sony, Nikon, Canon etc. arbeiten mit einem CMOS-Sensor. Der horrende Preisunterschied der digitalen Mittelformatkameras zu den ja auch schon teuren Vollformatkameras war bisher meist mit dem CCD-Sensor begründet. Dass Pentax jetzt auch im Mittelformat auf CMOS setzt, lässt darauf hoffen, dass dieser Bereich der Fotografie vielleicht doch nicht aussterben muss, sondern auf absehbare Zeit vielleicht sogar bezahlbar wird.

Vollformat und Mittelformat nähern sich an und ich freue mich darüber tierisch. Denn ich liebe das Mittelformat, benutze meine Zenza Bronica SQ-A aber selten, weil es ziemlich aufwendig und teuer ist, die Bilder auch zu digitalisieren. Aber ich mag die Art des Fotografierens mit einer Mittelformatkamera. Ich würde auch einiges an Geld für ein “schlechtes” digitales Rückteil ausgeben. Auch mehr als für eine bessere normale Kamera. Aber der Unterschied war bisher nicht ein bisschen mehr Geld auszugeben, sondern 10.000 Euro plus. Also unbezahlbar.

Und diesen Sprung habe ich bisher nicht verstanden. Natürlich sind die Sensoren deutlich größer als die im Vollformat. Die Negative eines Mittelformatfilms waren ja auch mehr als doppelt so groß wie die eine Kleinbildfilms. Aber beim Kleinbild gibt es auch sehr viele gute Cropkameras (Erklärung). Die Nikon D7100 (Crop) ist bspw. definitiv nicht schlechter als die Nikon D610 (Vollformat). Es ist eher eine Frage dessen, was man fotografieren will, wie man fotografieren will. Sicher braucht man für einige Situationen eher eine Vollformatkamera, aber in nicht wenigen Situationen ist eine Cropkamera ebenso im Vorteil. Warum also keine Cropkameras im Mittelformat?

Die Pentax 645Z ist sicherlich nicht das, was man sich unter einer Cropkamera vorstellt. Die Hasselblad H5D-50C hat auch “nur” einen 50 Megapixel CMOS-Sensor, kostet aber 25.000 Euro. Pentax geht also in die für mich richtige Richtung und macht Mittelformat erschwinglich. Meinetwegen können die auch noch “schlechtere” Kameras bauen und in die Preisregionen von Vollformatkameras eindringen. Denn vom Sensor her kommen diese ja auch langsam an das Mittelformat heran. Die Nikon 800E kommt  auch schon auf 36 Megapixel.

Zenza Bronica SQ-A

Warum aber überhaupt Mittelformat? Kann ich nicht einfach mit einer normalen Kamera fotografieren und dann Mittelformatig beschneiden? Doch kann ich, mache ich ja auch, wie man an meinen Bidlern sieht, wovon nicht wenige im “Mittelformat” sind, aber nur sehr wenige wirklich auch im Mittelformat fotografiert wurden. Aber ich werde, je länger ich fotografiere, immer mehr ein Freund des Fertigfotografierens. Ich habe immer weniger Spaß daran in Photoshop mir die Fotos zu machen, die ich fotografieren wollte. Ich schaue mich gerade nach einer analogen Spiegelreflexkamera um, damit ich mit meinem Lieblingsfilm Kodak Tri-X 400 direkt die schwarz-weiß Bilder machen kann, die ich im Kopf habe und die ich mit meiner Digitalkamera erstmal vorschießen muss, um es dann in Photoshop zu simulieren. Ich fotografiere mittlerweile mit meiner Fujifilm X10 nur noch JPGs, weil das das ist, was diese Kamera ausmacht und setze sie eben nur ein, wenn ich genau diese Farben haben möchte. Ich benutze immer häufiger meine Leica Mini II, weil ich da unterwegs genau die Bilder mache, die ich will. Ich muss zwar eine Woche auf die Bilder warten, aber dann habe ich sie und sie sind so, wie ich sie machen wollte. Und ich bilde mir ein, dass meine Fotos besser werden, seitdem ich die Kamera nehme, die originär das macht, wofür sie gemacht ist.

Und genau so würde ich gerne auch das Mittelformat einsetzen. Ich möchte die Kamera nehmen, wenn ich wirklich Mittelformat fotografieren möchte. Und wenn nicht, nehme ich eine andere Kamera. Ich habe dadurch weniger daran zu denken, was ich später noch alles machen muss und kann mich mehr auf das konzentrieren, was ich gerade mache: Fotografieren.

Natürlich ist mir dieses Arbeiten keine 8000 Euro wert. Und deshalb werde ich mir die Pentax 645Z auch nicht kaufen; vielleicht in ein paar Jahren gebraucht für dann wirklich bezahlbares Geld. Aber ich hoffe, dass Pentax damit einen Weg beschreitet, der jetzt erst anfängt und der diese tolle Art der Kameras in einen für mich bezahlbaren Bereich bringt. Denn die meisten Fotos, die ich im Kopf habe, sind nunmal im Mittelformat. Ich denke quadratisch.

Technische Daten: Pentax 645Z

Zum Schluss noch in aller Kürze die technischen Daten der Pentax 645Z. 51,4 Megapixel Auflösung ohne Tiefpassfilter. Empfindlichkeit bis zu ISO 204800. Full-HD Video und kurze 4K-Videos für Timelapseaufnahmen. Klappbarer 3,2“ Monitor mit einer Auflösung von 1.037.000 Bildpunkten. Sucherabdeckung von 98%. Live View-Funktion. 19 Fotoeffekte. RAW, JPG und TIFF. 27 Fokusmessfelder mit 25 Kreuzsensoren. Minimale Verschlusszeit 1/4.000. Preis 800 Euro, mit Objektiv 9000 Euro. Beispielbilder finden sich auf Flickr.