…oder wie man als Fotograf bei Google gefunden wird


Ich konnte mich mit einem der ersten Bilder (Ludwig Wittgenstein), was ich hier auf den Heliographen gepostet habe, in die Personensuche nach Ludwig Wittgenstein bei Google schmuggeln (wenn ihr mit Chrome unterwegs  oder mit einem Googlekonto eingeloggt seid, kann es sein,d ass andere Bilder ausgegeben werden). Sechs Bilder von ihm und eins von mir, was mich zeigt. Unglaublich witzig finde ich das, zumal Google an der Stelle eigentlich immer besser wird. Aber da das Bild ja nunmal wirklich auch sehr ähnlich aussieht, muss der Algorithmus zur Bilderkennung passen und deshalb bin ich dann jetzt eben auch mal Wittgenstein.

Das Bild ist ja nicht einfach so entstanden, sondern sollte meine geistige Verbundenheit mit diesem Genie des Geistes ausdrücken. Meinen Rücken ziert sogar ein Tattoo des ersten und letzten Kapitels aus dem Tractatus logico-philosophicus von ihm und deshalb ist es nicht nur ein kleiner Spaß von mir gewesen, sondern freut mich richtig.

Und es zeigt vor allem, dass dieser Blog so langsam dann doch noch eine gewisse Relevanz bei Google eingenommen hat. Ich habe in den letzten Tagen des alten Jahres noch einiges optimiert und deshalb habe ich berechtigte Hoffnung, dass dies nicht der einzige digitale Schildbürgerstreich von uns bleiben wird. Zumal wir ja mit den ersten Artikeln und hoffentlich noch vielen folgenden Google mehr und mehr Möglichkeiten geben, zu verstehen, was wir hier auf der Seite eigentlich machen.

Denn so gerne Bilder im Netz geteilt werden, so wichtig sie auf für die meisten Webseiten sind, Google versteht Bilder noch nicht besonders gut, wie man eben an meinem Wittgensteinbild sieht. Ohne das Bild umgebenden Text ist Google und auch alle anderen bekannten Algorithmen schlicht aufgeschmissen. Viele gute Bilder brauchen auch einigen guten Text, um gefunden zu werden und somit im Netz auch stattzufinden.

Natürlich gibt es auch andere Wege im Netz bekannt zu werden. Aber diese Wege setzen immer schon Bekanntheit voraus. Entweder ist man selbst bekannt und wird so gesucht und gefunden oder man wird von jemandem empfohlen, der Bekannt ist und wird so gesucht und gefunden. Wir sind beides nicht. Nicht Bekannt und kennen auch niemanden, der Bekannt ist. So wird es den meisten Fotografen im Netz gehen, die einen Blog betreiben oder immer noch nach dem besten Platz für ihr Portfolio suchen etc.

Deshalb eine Empfehlung: macht nicht nur Fotos, postet sie, und schreibt darüber. Nicht erzwungen, sondern immer nur so viel, wie es für euch Sinn macht. Erzählt Geschichten zu euren Fotos, andere als das Foto vielleicht, aber als Fotograf erlebt man doch bei jedem Foto etwas. Ansonsten würde man es im grab der digitalen Flut auf der Festplatte doch nicht hervorziehen, bearbeiten und anderen zeigen wollen. Erzählt mehr. Mit euren Bildern und über eure Erfahrungen, die diese letztendlich geformt haben.

Wer sich genauer mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Blog von Martin Mißfeldt. Martin ist Künstler und Suchmaschinenoptimierer und versteht unglaublich viel davon Bilder im Netz bestmöglich einzusetzen.

4 Kommentar(e)

  1. Mona Lisa

    Der ” Streich” ist dir ja echt gelungen. Ich selbst habe sehr genau hinsehen müssen. Könnte ein Jugendbild von ihm sein!

  2. Michel van de Montaigne

    Mehr wie ein Steich. Großartig!

    Ich kann kaum glauben, daß man den ersten Satz (Paragraph 1.0) vom Ludwig W. sich tätowieren läßt:
    “Die Welt ist alles, was der Fall ist”.
    Dieser Satz ist so unfaßbar kompliziert wie der Urknall.

    Ein Freund von mir, Robert Schwentke, hat mal einen kruden Film über Tattoos gemacht, der auch einfach nur “Tattoo” heißt. Nachgooglen lohnt sich.
    Frage: In welcher Schriftart hast Du diese Sätze Dir tätowieren lassen?

    Den letzten Satz vom L. Wittgenstein kenne ich nicht. Aber den letzten Satz des Vorwortes zum Traktatus kenne ich: sinngemäß: “Ich glaube damit alle Fragen der Philosophie gelöst zu haben. Und wenn ich mich darin nicht irre… “.

    Nochmal: Deinen “Streich” finde ich sehr genial.

    Es grüßt freundlich zwinkernd Michel van de Montaigne

    p.s.: Rot ist als Farbe für Links nicht einladend. Weil Links sind immer blau und geben mit blau grünes Licht für vertrauensvolles Klicken.

  3. Raphael Raue

    Hallo Michel,

    ich würde auch nie behaupten, den Tractatus völlig verstanden zu haben. Auch deshalb das geeignete Tattoo zur Erinnerung an meine Studienzeit. Der letzte Satz des Buches lautet übrigens: “Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.”

    Und über die Linkfarbe denke ich nochmal nach. Insgesamt gefällt mir das Layout noch nicht gut. Es war eher erstmal eine Behelfslösung, um hier auch Artikel mit unter zu bringen. Da kommt sicher nochmal eine Anpassung bzw. Veränderung.

  4. Michel van de Montaigne

    Hallo Raphael,

    ich wußte nicht, daß das der letzte Satz vom Ludwig im Traktatus ist. Aber wußtest Du, daß der finnische Musiker und Autor M.A. Numinen diesen Satz zu einer Art Lied verwurstelt hat:

    http://www.youtube.com/watch?v=CGksgZKecKE

    Es ist mir ein Rätsel, warum M.A.Numinen deutsch gelernt hat und deutsch singt. Aber die Finnen sind wohl immer für extrvagantes prädestiniert. Wahrscheinlich, weil in Finnland der Winter lang ist. Die haben die Sauna erfunden und abstruse Sportarten wie den “Handy-Weitwurf” und die furztrockenen Filme der Kaurismäki-Brüder.

    Und wußtest Du, daß in Peter Greenaways “Bettlektüre” sich die Protagonistin von ihren Liebhabern kleine Texte auf den Rücken tätowieren läßt?
    Für mich eine Schlüsselszene des Films: Nagiko (die Protagonistin) sitzt im Flughafen und sieht einen Amerikaner, der auf dem Laptop rumtippt. Sie gehen auf ein Hotelzimmer und sie läßt auch ihn sich auf den Rücken schreiben. Sie schaut das (unkoordinierte Gekritzel) im Spiegel an und sagt: “Du kannst gar nicht schreiben”.
    Ich denke, dieser Film (1996) markiert den Zeitpunkt, wo es klar wurde, daß die Handschrift passé ist, und wir nunmehr mit vorgefertigten Schriftzeichen kommunizieren.
    Diese historische Marke ist wohl mindestens so die Kommuniktion umwälzend wie einst der Buchdruck.

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